Kristof unterwegs

Teil 3: Erste Eindrücke

Die zwei Seiten einer Medaille

Wir begleiten Kristof auf seine 6-wöchigen Reise nach Brasilien, bei der er ein freiwilliges Praktikum im Rahmen des Global-Volunteer-Programms von AIESEC absolviert. Wer ist Kristof, wie kam er zu seiner Entscheidung und wie finanziert er seinen Aufenthalt? Alles hier zu im Auftakt zu unserer Serie "Kristof unterwegs".  

Seit einer guten Woche "lebe" ich in Fortaleza. Die Woche war voll mit Eindrücken. Entgegen vieler Befürchtungen bin ich bisher weder aufgrund der schlechten Hygiene erkrankt, noch wurde ich Opfer eines Gewaltverbrechens. Im Gegenteil. Mir geht es hervorragend. Die Sonne treibt meinen Vitamin D-Spiegel nach den grauen Winterwochen in Deutschland in die Höhe und über die Kleiderwahl muss ich mir auch keine Gedanken machen. T-Shirt, Shorts und Flip-Flops sind immer angebracht.

Untergebracht bin ich bei einer Gastfamilie, die irgendwo zwischen Vorstadt und Zentrum im Stadtteil Maraponga lebt. Sie ist unfassbar gastfreundlich. Ich war bereits bei der Tante zum großen Familienessen, mit dem Onkel und seiner Familie im Restaurant sowie Freunde des Gastvaters besuchen, die in Meeresnähe leben. Auch das war natürlich mit dem Genuss der lokalen Cuisine verbunden - stilecht in der Strandbar versteht sich.

Strand Fortaleza

Diese Offenheit gilt allerdings nicht nur für die Menschen, die mich aufgenommen haben, sondern für jede Person, der ich bisher begegnet bin - sei es im Bus, am Strand, auf Konzerten oder den hiesigen Prä-Karneval-Partys.
Ich bin allerdings nicht nur zum Feiern und Essen hergekommen. Es gab mittlerweile Einführungsveranstaltungen, bei denen sich alle "Incomings" von AIESEC versammelt haben.

Danach waren wir mehr oder minder gerüstet für die Arbeit in der jeweiligen NGO, die in der zweiten Woche meines Aufenthalts begann. Auch dort sind die Menschen im Allgemeinen sowie die Kinder im Speziellen sehr herzlich, was es mir deutlich erleichtert. Denn ohne Portugiesisch ist es wirklich kaum möglich, mit 6 bis 13 Jahre alten Kindern zu kommunizieren. Da in unserer Vierergruppe allerdings zwei Personen die Sprache beherrschen, kann ich mich mit deren Hilfe und meiner Übersetzungsapp durchkämpfen. Nichtsdestotrotz ging es bisher vor allem um das Kennenlernen und Bekanntmachen mit den Schülern, sodass ich skeptisch bin, wie sich die Sprachbarriere gestaltet, wenn wir mit den Unterrichtsstunden zum Thema Umwelt starten.

Untericht in Fortaleza

Der schlicht gehaltene Unterrichtsraum lässt eines vermuten: Armut und Kriminalität sind allgegenwärtig. Es ist normal, dass mit Mauern und Stacheldraht gesicherte Häuser neben ärmlichen Wellblechhütten stehen, dass der große, westliche SUV neben dem von Hand gezogenen Karren an der Ampel hält oder dass bewaffnete Männer durch die Straßen ziehen.
Bezeichnend für die Janusköpfigkeit der brasilianischen Gesellschaft ist der Heimweg nach einer Prä-Karneval-Party am zentrumsnahen Praia de Iracema. Wir hatten uns ein Taxi zu einer Tankstelle gerufen. Die Stadt war extrem voll. Auch die Tankstelle sowie umliegende Bars und Straßen waren überfüllt mit Menschen. Allerdings fühlten wir uns eher von den omnipräsenten, mit Maschinenpistolen und Schrotflinten bewaffneten Sicherheitskräften bedroht als von möglichen Kriminellen. Beim Warten hörten wir Schüsse aus einer Nebenstraße. Aus dieser kam kurze Zeit später und gestützt von zwei Freunden ein circa 17 Jahre alter Teenager mit einem Durchschuss im Unterschenkel gehumpelt. So weit eine Schussverletzung und der Karneval eigentlich auseinander liegen, so nah sind sie doch beieinander. Eben die zwei Seiten einer Medaille.  

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