Investment: Besser anlegen mit Nachhaltigkeitsfonds

Im Wald ist die Sache einfach: Man darf stets nur so viel Holz schlagen, wie an anderer Stelle nachwächst. Das Prinzip der „Nachhaltigkeit“ kennt die Forstwirtschaft seit Jahrhunderten. Seit Kurzem hat es auch die Finanzbranche für sich entdeckt. EU-Regeln fordern, dass die Produkte von Banken und Fondsgesellschaften langfristigen Zielen dienen und nicht bloß dem flotten Gewinn. Investoren sollen verantwortungsbewusster agieren und Anlageprodukte für den Verbraucher transparenter werden, so fordern es Finanzmarktrichtlinien wie MiFID II und Basel III.
Bei Anlegern fallen diese Initiativen auf fruchtbaren Boden: Rund 90 Prozent der Bundesbürger sagen laut GfK-Umfragen, sie versuchten, nachhaltig zu leben, und 60 Prozent würden das auch gern auf Finanzdinge übertragen. Sie wüssten gern genauer, in welche Unternehmen ihr Geld investiert wird. Jeder Dritte gibt an, er habe großes Interesse an ethisch einwandfreien Anlageprodukten. Das spiegelt die klassische Bedürfnispyramide wider: In weniger entwickelten Volkswirtschaften stehen Themen wie Bergbau, Energie oder Nahrungsmittel stärker im Fokus. Je mehr aber konsumiert wird, desto eher fragen Investoren: Wo kommen die Produkte her? Und wie werden sie produziert?
Längst bemühen sich Pensionskassen und Versicherungen, Kundengelder in verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen zu stecken. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen müssen sie ihren Anlegern genauer Rechenschaft über ihre Investments ablegen. Zum anderen setzt sich die Erkenntnis durch, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig eine attraktive Anlage sind. „Nachhaltigkeit geht nicht zulasten der Rendite, sondern kann sie vielmehr steigern“, sagt Timo Timm, Produktmanager Investment bei Swiss Life Deutschland. Der Dow Jones Sustainability World Index, der die Kursentwicklung verantwortungsbewusst agierender Unternehmen weltweit misst, kletterte in den vergangenen fünf Jahren um immerhin rund 40 Prozent.

Entwicklung Dow Jones Sustainability World Index von 08.2016 bis 08.2017
Die Kurve zeigt die Entwicklung Dow Jones Sustainability World Index von 08.2016 bis 08.2017

Die Standards steigen
Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist kaum mehr aufzuhalten. Seit diesem Jahr müssen alle börsennotierten Unternehmen ausführlicher darlegen, welche Umwelt- und Sozialstandards sie einhalten. Ökologie, Soziales und Unternehmensführung (im Finanzjargon „ESG“ abgekürzt) entwickeln sich zu Standardkriterien bei der Geldanlage.
Das verleiht dem Geschäft zusätzlichen Schub: Allein im deutschsprachigen Raum werden bereits rund 240 Milliarden Euro nach ESG-Kriterien angelegt, so der Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) – rund doppelt so viel wie 2014. Früher orientierten sich an diesen Maßstäben fast ausschließlich Ökofonds, die zum Beispiel in Wind-, Wasserkraft- oder Solarunternehmen investierten. Heute richten sich jede Menge „normaler“ Fonds danach aus. Europaweit tragen mehr als 1 350 Produkte das Label „nachhaltig“. Doch ist da wirklich überall nur Grünes und Gutes drin?

Nachhaltige Investmentfonds und Mandate in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Nur die Klassenbesten
Will ein Anleger ausschließlich in Ökologie und Soziales investieren, bietet sich ein sogenannter Themenfonds an. Er sollte sich allerdings bewusst sein, dass er sich in eine sehr enge und somit riskante Nische begibt. Man denke nur an die jüngsten Pleiten von Solarfirmen oder Windparks.
Oder möchte er generell Firmen unterstützen, die sich um Umwelt und Gesundheit verdient machen, etwa Elektroautobauer, Naturkosmetik- oder Biolebensmittelproduzenten? In diesem Fall sind Ökofonds das Richtige. Sie machen rund fünf Prozent aller Produkte am Markt aus und werden von Gesellschaften wie Ökoworld, Sarasin, Triodos oder Kepler angeboten. Sie legen klar fest, welche Aktien außen vor bleiben. Sarasin etwa verzichtet auf Investments in „Unternehmen, die mehr als fünf Prozent des konsolidierten Umsatzes in Bereichen wie Kernenergie, Rüstungsgüter oder Tabakwaren erwirtschaften“. Bei anderen Anbietern sind Nahrungsmittelspekulation, Fracking oder industrielle Tierhaltung tabu.
Will der Anleger dagegen eine möglichst breite Aktienauswahl nutzen, sollte er Fonds ins Auge fassen, die dem Best-in-Class-Prinzip folgen. Diese investieren in alle möglichen Branchen, allerdings stets in Firmen, die nachhaltiger wirtschaften als die Konkurrenz. So belasten Waschmittel zwar die Umwelt. Der Produzent kann jedoch Wälder aufforsten, Pulver für niedrige Waschtemperaturen entwickeln oder hohe Standards bei der Mitarbeiterführung haben – so wie die Firma Henkel.
Auch ein Elektrogerätehersteller kann nachhaltig agieren, wenn er beispielsweise sparsame Fernseher oder Staubsauger entwickelt – so wie Philips. Meist wirtschaften solche Klassenbesten auch besonders profitabel. „Wer langfristige Ziele verfolgt, setzt oft auf innovative Technik – und ist dadurch besonders fit für die Zukunft“, sagt Swiss Life Deutschland-Experte Timm.
Gewissen und Gewinn sind zwei Seiten derselben Medaille, meint auch Rolf D. Häßler vom Institut für nachhaltige Kapitalanlagen in München. Orientieren sich Unternehmen an ESG-Kriterien, wirke sich das positiv aus. Mehr als 2.200 Untersuchungen dazu hat die Universität Hamburg ausgewertet: Die weit überwiegende Mehrheit der Studien wies nach, dass nachhaltige Strategien einen neutralen oder positiven Einfluss auf die Rendite haben. Eine aktuelle Auswertung der Ratingagentur Morningstar zeigt das ebenfalls: Firmen mit hohen ESG-Standards verbrauchen häufig weniger Ressourcen und produzieren weniger Skandale. Das hebt ihr Image und sorgt langfristig für mehr Stabilität. Auch im Depot.

Es hängt vom Manager ab
„Vermögensbildung nach ökologisch-ethischen Grundsätzen hat nichts mit Gutmenschentum zu tun“, sagt Alfred Platow, Gründer der Investmentgesellschaft Ökoworld, die seit 21 Jahren mit dem Fonds Ökovision am Markt ist. „Ethisch geführte Unternehmen haben bessere Chancen, längerfristig stabil zu wachsen“, heißt es bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser, die 1995 den ersten Ethikfonds auf den deutschsprachigen Markt brachte.
Einige aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds haben in den letzten fünf Jahren den Vergleichsindex abgehängt. Eine Garantie auf solche „Überrenditen“ gebe es allerdings nicht, mahnt die Frankfurt School of Finance & Management: Die Performance hänge letztlich vom Manager ab – und dessen Kontrolleuren. Bei guten Fondsanbietern entscheidet ein unabhängiges Ethikkomitee, welche Aktien überhaupt gekauft oder gehalten werden dürfen. Bei Ökoworld bilden elf Mitglieder diesen Ausschuss, bei Hauck & Aufhäuser kümmert sich darum ein siebenköpfiges Komitee, das unter anderem mit drei Ethikprofessoren besetzt ist. Sie bilden laut Firmenangaben das „stellvertretende Gewissen der Anleger“, das für nachhaltiges Wachstum der Kundengelder sorgen soll.

Tabuthemen für nachhaltige Fonds

Autor: Melanie Kegel
Fotos: Headerbild: shutter_m/iSTock/Thinkstock; übrige Fotos: iStockphoto.com/TommL/crstrbrt/Bombaert 

(Rechtshinweis: Die Inhalte wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann trotzdem nicht übernommen werden. Die aufgeführten Angaben dienen lediglich zu Informationszwecken. Sie begründen weder ein Angebot noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Produkten, zur Durchführung von Transaktionen oder zum Abschluss von anderen Rechtsgeschäften. Einzelheiten zu Produkten entnehmen Sie bitte dem Produktinformationsblatt des jeweiligen Produktanbieters.)