Warum es sich lohnt, Unterlagen aus der Ausbildungszeit aufzubewahren

Gerade die Ausbildung abgeschlossen, noch keinen Monat richtig gearbeitet und dann schon an die Rente in 45 Jahren denken? Für viele völlig utopisch. Doch es lohnt sich!

Einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge fehlen mehr als der Hälfte der heute 55- bis 64-Jährigen im Schnitt 700 Euro, um ihre Lebenshaltungskosten tragen zu können. Tendenz steigend. Je früher Sie sich mit der Altersvorsorge beschäftigen, desto mehr können Sie aus Ihrer Rente herausholen. Wir zeigen, worauf es ankommt. 

Bausteine der gesetzlichen Rente

Der gesetzliche Rentenanspruch setzt sich nicht allein aus den eingezahlten Beiträgen zusammen. Mindestens genauso wichtig sind verschiedene rentenrechtliche Zeiten. Der Gesetzgeber unterscheidet hier in sogenannte „Beitragszeiten“, „beitragsfreie Zeiten“ und „Berücksichtigungszeiten“, die ebenso Voraussetzung für den gesetzlichen Rentenanspruch sind. Für die verschiedenen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sind unterschiedlich lange Wartezeiten von Bedeutung.

Die wichtigsten Wartezeiten sind die „allgemeine Wartezeit“ von 5 Jahren für einen grundsätzlichen Rentenanspruch sowie die Wartezeit von 35 und 45 Jahren für einen eventuell vorgezogenen Ruhestand. Je nach Wartezeit werden dann die verschiedenen rentenrechtlichen Zeiten berücksichtigt.

Vereinfacht gesagt sind „Beitragszeiten“ die Monate, in denen regelmäßig Beiträge in die Rentenkasse fließen. In der „beitragsfreien Zeit“ zahlen Sie, wie der Name schon sagt, keine Beiträge. Die „Berücksichtigungszeit“ ist zum Beispiel die Zeit der Kindererziehung.

Anrechnung rentenrechtlicher Zeiten

Im Grunde wird jeder Monat nach Vollendung des 17. Lebensjahres mit einer rentenrechtlichen Zeit bewertet. Egal ob Sie berufstätig oder arbeitslos sind oder eine Ausbildung machen. Alle rentenrechtlichen Zeiten werden von der Deutschen Rentenversicherung auf Ihrem ganz persönlichen Versicherungskonto gespeichert. Wichtige Voraussetzung: Die Zeiten sind Ihrem Rentenversicherungsträger bekannt. Kein Problem ist das für die Zeiten, in denen Beiträge durch Ihren Arbeitgeber im Laufe eines Beschäftigungsverhältnisses eingezahlt werden. Diese werden automatisch auf Ihrem Konto gespeichert.

Anders verhält es sich beispielsweise, wenn Sie in Elternzeit gehen. Davon erfährt die Rentenversicherung nichts. Sie müssen also selbst aktiv werden und die Geburt Ihres Kindes melden. Und das lohnt sich: Um einer Benachteiligung von Müttern und Vätern vorzubeugen, werden bestimmte rentenrechtliche Zeiten und Bewertungen dem Versorgungskonto gutgeschrieben. Damit übernimmt der Staat in der Zeit der Kindererziehung quasi Ihren Beitrag und stockt Ihre Wartezeit ganz ohne eigenes Zutun weiter auf.

Zuschlag für Berufsausbildungszeit

Auch die Zeit der Ausbildung spielt bei der Rentenberechnung eine wesentliche Rolle. Im Gegensatz zu einem Studium, das der „beitragsfreien Zeit“ zugeordnet ist, zählt die Zeit der Berufsausbildung zu den „Beitragszeiten“, die aber im Fall einer Ausbildung in besonderer Weise als „beitragsgeminderte Zeit“ auf Ihrem Versicherungskonto erfasst wird. Das heißt: Auszubildende zahlen einen monatlichen Pflichtbeitrag in die Rentenkasse – angepasst an die geringen Einkünfte während der Lehrzeit. Damit sich die vergleichsweise niedrige Beitragszahlung nicht nachteilig auf die spätere Rente auswirkt, bewertet der Gesetzgeber den Pflichtbeitrag des Lehrlings mit einem Zuschlag, bis ein Mindestwert erreicht ist.

Kontenklärung und Nachweise

Die besondere Bewertung von Zeiten mit geringerer Beitragszahlung, wie der Berufsausbildungszeit, kann zu einer deutlichen Rentensteigerung beitragen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Berufsausbildungszeiten nachweisen können, denn nicht immer sind die Unterlagen bei Ihrem Rentenversicherungsträger vollständig vorhanden. Als Beleg reicht der Ausbildungsvertrag.

Mit einer sogenannten Kontenklärung können Sie zu jeder Zeit gemeinsam mit Ihrem Rentenversicherungsträger alles auf den aktuellen Stand bringen. Warten Sie nicht bis kurz vor der Rente – je schneller Sie das erledigen, desto einfacher wird es für Sie sein, Nachweise und Unterlagen zu beschaffen.

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